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DIE ZELLER STÜRMERIN ANNA MEIXNER IM EXKLUSIV-INTERVIEW!

MI, 10.07.2024  |  12:00 Uhr

Die Schlagzeilen über die Zellerin Anna Meixner überschlagen sich. MVP in Schweden, Nationalteamkapitänin bei der Heim WM und jetzt der Draft, inklusive Vertrag in der besten Damenliga der Welt.

Anna du hast in Zell am See das Eishockeyspielen erlernt und bist, bis zu deinem 16 Lebensjahr für die Eisbären auf Torjagd gegangen. Schildere uns ein wenig die Zeit bei den Eisbären: 

„Ich hab’s schon so oft gesagt, zuerst einmal ein riesendank an den EKZ. Ich bin dem Verein bis heute dankbar wie ich, beziehungsweise wir Mädels bei einem Burschenverein wie dem EKZ aufgenommen wurden. Es war ein reiner Wahnsinn, ich habe mich da über alle Jahre daheim gefühlt, wir sind ganz genau gleichbehandelt worden. Ich wünsch mir das für alles Mädels in Österreich, dass es Vereine gibt, die die Mädels so aufnehmen wie der EKZ. Es war eine wahnsinnige Zeit mit einer unfassbaren Ausbildung, in der der Grundstein für mich gelegt worden ist! Das harte Training, die Erfahrungen, die ganzen Word Tournaments und so, das ist was auf das ich bis heute zurückdenken muss.“

Danach führte dich dein Weg über die Ravens Salzburg nach Wien zu den Sabres, mit denen du unzählige Titel feiern durftest:

„Es war damals eine schwierige Entscheidung, so jung aus Zell am See wegzuziehen. Im Nachhinein war es aber definitiv die Richtige, ich habe dann in meinen jungen Jahren mit extrem erfahrenen Spielerinnen zusammenspielen und von ihnen lernen dürfen. Man könnte sagen ich bin in dieser Zeit erwachsen geworden. Das Team war unfassbar, wir haben damals in der European Hockey League und der österreichische Staatsmeisterschaft gespielt und waren jahrelang ein Topteam in Europa. Wir haben in dieser Zeit auch ganz viele Titel holen können. Ich wurde besser und besser und in dieser Zeit, ist es mir dann auch erstmals durch den Kopf gegangen, dass ich mit dem Eishockey vielleicht auch mal mein Geld verdienen und Profi werden kann.“

2016/17 gings dann erstmals nach Schweden zu HV71. Eine Saison, wie du selbst zuletzt in einem Interview sagtest, die sehr prägend für dich war:

„Auf jeden Fall! Jetzt bin ich dreißig und darf seit ein paar Jahren als Profi leben, aber was viele nicht wissen, dass ich 11-12 Jahre neben dem Eishockey 40 Stunden gearbeitet habe und schauen musste, wie ich mein Geld dazuverdiene und trotz allem so professionell wie möglich bleibe. Jahrelang sah mein Alltag so aus, dass ich um fünf Uhr in der Früh aufstand, arbeiten ging bis fünf am Nachmittag, schnell heim, Essen und dann ab zum Training. Teils von 22:00 bis 23:00 Uhr am Eis stand und das über Jahre hinaus, damit ich jetzt da bin, wo ich eben gerade bin und das Sehen aber viele nicht. Als dann das erste Angebot aus Schweden kam, war das dann schon eine Riesenumstellung, plötzlich Profi zu sein. Alles hat sich nur mehr ums Eishockey gedreht und zu dem Zeitpunkt war ich vielleicht noch nicht bereit dazu, beziehungsweise musste ich erst lernen damit umzugehen.“

Nach einem Jahr in Jönköping bist du für weitere drei Jahre noch einmal nach Wien zurückgekehrt um 2020/21 bei Brynäs noch einmal voll durchzustarten:

„Als ich nach Wien zurückkehrte, kam ich schnell drauf, dass das Profileben genau das ist, was ich eigentlich will. Ich kam dann auch in ein Alter, in dem ich realisiert habe, was wichtig ist für mich und wie gesagt, wenn ich jetzt den Vergleich mit Schweden ziehe, da werden die Mädels mit 14-16 Jahren auf ein Profileben vorbereitet. Ich habe das erst relativ spät lernen müssen, dass es wichtig ist, wie du dich ernährst, wie du trainierst, dass du auch unter der Saison regelmäßig ins Gym gehst etc. und daher war der Wechsel dann nach Brynäs auch ein kleiner Lebenswandel für mich.“

2022/23 wurdest du sogar MVP in der SDHL. Wie fühlt sich das an, das ist doch eine brutale Auszeichnung:

„Es war extrem cool. Zum einen habe ich überhaupt nicht damit gerechnet! Da spielen Spielerinnen aus diversen Nationalteams mit. Spielerinnen, die schon bei Olympia waren, das sind wirklich ein Haufen Weltklasse Athleten dabei. Ich bin ja MVP und beste Stürmerin geworden. Der MVP wird vom Verband gewählt und die beste Stürmerin wird von jeder Spielerin jedes Team gewählt und das ist wirklich die beste Auszeichnung, die man haben kann, wenn Spielerinnen von anderen Teams dich Wertschätzen als Eishockeyspielerin.“

Du bist seit Jahren Captain im Nationalteam und hast diese sogar bei der im Frühjahr stattfindenden Heim WM als Kapitänin aufs Eis geführt, leider hat es mit dem Aufstieg in die Topgruppe nicht gereicht, aber die Medienpräsenz der Damen war so hoch wie nie. Wie war das für dich als Kapitänin voranzugehen: 

„Es war unfassbar, ich glaub ich habe es jetzt eh schon ein paar Mal gesagt. Als ich ein kleines Mädel war, hatte ich klassische Vorbilder wie Gretzky und so. Ein ganz großes Ziel von mir ist es als Kapitänin des Nationalteams voranzugehen und Vorbild für das österreichische Eishockey zu sein und den jungen Mädels zu zeigen, dass es geht, wenn man viel Arbeit hineinsteckt von Österreich aus Profi zu werden. Ich denke das es das in Österreich einfach braucht, solche Vorbilder zu haben und es ist einfach schön, dass ich da als Kapitänin in dieser Rolle bin. Das mit der PR bei der WM war ein Wahnsinn. Auch wenn für uns sportlich nicht das herauskam, was wir uns erwartet haben, haben alle gesehen was möglich ist. 2500 Zuseher in der Halle, die Einschaltquoten im ORF und auch das ganz Österreich gemerkt und gesehen hat, was alles möglich ist!“

Und jetzt als absolutes Highlight, von Ottawa in die PWHL, der wohl aktuell besten Damenliga der Welt, inklusive Fixvertrag für die kommende Saison:

„Klingt schon sehr geil, wenn du das so sagst. ;-) Aufregende Zeit, ich freu mich einfach extrem, würde am liebsten meine Sachen packen und los starten. Es ist echt cool, ich war sehr überrascht, dass ich jetzt schon einen Vertrag bekommen habe. Ich bin auch die erste Spielerin von Ottawa die aus dem Draft unterschrieben wurde und das als sechst Runden Pick. Das ist echt was Großartiges, auch etwas das mir sehr viel Druck wegnimmt, weil ich schon weiß, dass ich einen Vertrag habe. Natürlich muss ich aber trotzdem performen, aber es ist natürlich ein Wahnsinn, dass ich jetzt schon fix weiß, dass es dort hingeht.“

Anna nimm uns ein wenig mit in deine Gefühlslage der letzten Tage und Wochen. So viel wie zuletzt wurde wohl noch nie über eine österreichische Eishockeyspielerin berichtet. Was steht jetzt noch alles an, bevor du nach Ottawa gehst?

„Zuerst bin ich noch ein ganzes Monat daheim, genieß die Zeit mit der Familie, weil ich natürlich noch nicht weiß, wann ich das nächste Mal heimkommen werde. Es ist doch jetzt ein bisschen ein weiterer Weg als noch zuletzt von Schweden runter. In der ersten August Woche fliege ich dann zurück nach Schweden, darf dort mit NHL-Spielern, aber auch den Damen aufs Eis gehen und mich dort vorbereiten. Anfang Oktober werde ich dann noch mein Auto und meine ganzen Sachen runterbringen und dann geht´s Mitte Oktober nach Ottawa, wo dann am 1. November das Trainingscamp losgeht.“

Und zum Schluss wollen wir natürlich noch wissen, wie sehr du deinen Stammverein noch verfolgst, beziehungsweise was du den Jungs in der kommenden Saison zutraust:

„Ich find das extrem geil, was da in Zell am See in den letzten Jahren wieder aufgezogen wurde. Ich war im Februar bei einem Playoff-Spiel mal wieder in der Halle und es war extrem cool. Die Halle war bumvoll, die Stimmung war genial. Zell hat ein wahnsinnig gutes Team. Ich habe eine App am Handy und verfolge jedes Spiel, schau mir an wie Sie gespielt haben. Ja, wie gesagt die Eisbären werden immer einen großen Platz in meinem Herzen einnehmen!“

 

ANNA VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW. WIR WÜNSCHEN DIR FÜR DEINE KOMMENDEN AUFGABEN NUR DAS ALLERBESTE. WIR SIND STOLZ AUF DICH!