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ZWISCHENFAZIT ZELLER EISBÄREN!

FR, 08.11.2024  |  12:10 Uhr

Novemberpause, das bedeutet auch, dass man ein wenig Zeit hat und Revue passieren lassen kann, wie die Saison bisher gelaufen ist. Eine kleine Zusammenfassung des ersten Drittels des Grunddurchgangs.

Nach einer durchaus gelungenen Vorbereitung starteten die Eisbären am 21. September mit einem Arbeitssieg gegen die Unterland Cavaliers in die Saison. Leistung noch ausbaufähig, aber das Ergebnis passte. Genau umgekehrt kam es beim schweren Auswärtsspiel gegen Ritten. Eine Topleistung, die nicht mit Punkten belohnt wurde. Eine schmerzhafte Derbyniederlage gegen Kitzbühel folgte. Nach einem Chancenwucher gegen Celje schaffte man gegen die Slowenen letztlich doch den zweiten Heimsieg, ehe mit dem Auswärtsspiel gegen Sisak fraglos ein Schockmoment kam. Einen „Weckruf“ nannte Geschäftsführer Patrick Schwarz die herbe Niederlage, Verteidiger Max Egger bezeichnete das Match als „Realitätscheck“. Doch die Mannschaft zeigte eine Reaktion und startete eine formidable Siegesserie. Mit Fokus auf „einfacheres Hockey“ (Co-Trainer Christoph Frank) fand man zurück in die Erfolgsspur. Heimsiege gegen Salzburg, Meran und Cortina folgten, stets charakteristisch: voller Einsatz, eine geschlossen starke Mannschaftsleistung und gute Defensivarbeit. Sterzing und Unterland auswärts, der EC Bregenzerwald daheim – weitere Siege wurden angeschrieben. Auch das zweite Derby gegen Kitzbühel konnte man gewinnen und damit den Tabellenführer entthronen, erst im letzten Spiel vor der Pause, gegen Celje, musste man, knapp, im Penaltyschießen wieder eine Niederlage hinnehmen.

In der Tabelle steht man, nach dreizehn absolvierten Spielen, auf Platz zwei, Jesenice und Ritten könnten mit Siegen in ihren Nachtragsspielen noch an den Eisbären vorbeiziehen. Neun Siegen, davon zwei nach Verlängerung oder Overtime stehen vier Niederlagen gegenüber (dreimal nach 60 Minuten, einmal nach Penaltyschießen). Mit 44 erzielten Treffern ist man im guten Mittelfeld, mit 37 Gegentoren ebenfalls. Anders aufgeschlüsselt hält man bei durchschnittlich 3,8 erzielten Toren und 2,8 Gegentreffern pro Spiel. Klar ist, dass Statistiken zu diesem Zeitpunkt der Saison noch mäßig aussagekräftig sind, zu sehr verzerrt ein einzelnes Spiel (etwa jenes in Sisak) das Gesamtbild. Dennoch kann man festhalten: Powerplay 23,5%, ungefähr jedes vierte Überzahlspiel wird also genutzt. Penalty Killing 79,5%: Beim Fairplay ist man auch im Mittelfeld der Liga. 108 Strafminuten (ausschließlich Minor Penalties, also zwei-Minuten-Strafen) bedeuten durchschnittlich gut 8 Minuten pro Partie. Zuletzt deutlich verbessert, aber immer noch mit Luft nach oben: die Chancenverwertung. 9.13% der Schüsse resultieren in einem Treffer, die Effizienz ist sicher ausbaubar. Die Serie von sieben Siegen in Folge war die längste der Eisbären in der Ligageschichte (zuvor: sechs Spiele in der Vorsaison). Zuhause erhält man nur durchschnittlich 1,7 Gegentore pro Partie und dieser Wert ist durch das Celje Spiel bereits deutlich verschlechtert.

Die Liga ist noch einmal spürbar enger geworden, vier der unteren Teams sind weggefallen, mit Sisak ist eine Profimannschaft neu hinzugekommen. Dazu gibt es, statt sechs nur noch fünf Playoffplätze zu vergeben. Die Siege waren oft dominante Vorstellungen, die Ergebnisse vielleicht knapper als der Spielverlauf. Die Chancenverwertung hat sich aber, wie erwähnt, von miserabel (zwischenzeitlich bei ca. 4,5%) zu durchschnittlich verbessert, es geht in die richtige Richtung. Insbesondere wenn man sich ansieht wie sich andere Topteams (die Vorjahreshalbfinalisten Sterzing und Cortina etwa) noch schwertun, kann man auch einfach mal zufrieden sein. In einem Monat kann das Ganze aber natürlich schon wieder ganz anders aussehen. Die derzeitige Alps-Hockey-League ist nicht mit einer Nationalliga, INL oder AHL in den ersten Jahren vergleichbar, das Niveau ist mittlerweile deutlich gestiegen, der Sport hat sich weiterentwickelt. Der internationale Wettbewerb ist aber ohne Frage sehr gut für das österreichische Eishockey und die Entwicklung junger Spieler.

Bei den individuellen Statistiken ist der Urzeller Philip Putnik, mit elf Treffern, zweitbester Torschütze der Liga. Matt McLeod hat sich mit seiner spektakulären Spielweise schnell in die Herzen der Zeller Fans gespielt, der Kanadier ist mit sieben Treffern gut in die Saison gestartet. Nick Huard hat die drittmeisten Vorlagen der Liga (15) und ist sechster in der Scorerliste. Fredrik Widen, leichtfüßig wie eh und je, weist mit 11 Assits ebenfalls starke Zahlen auf. Putnik ist mit +7 auch der stärkste Eisbär in der +/- Wertung. Besonders böse war kein Crack des EKZ, selbst Nick Huard, der „Führende“ in der internen Strafenwertung hat lediglich 12 Strafminuten kassiert. Max Zimmermann ist einmal mehr bei den besten Torhütern der Liga dabei und hat eine sehr starke Fangquote von 94,7%, darunter ein Shutout im Derby gegen Salzburg. Auch Alois Schultes konnte ein Shutout feiern (beim Heimspiel gegen Bregenzerwald) und liegt bei der Time on Ice fast gleichauf mit dem zwischenzeitlich verletzten Zimmermann.

Erklärtes Ziel über den Sommer war es die Faceoffquote zu verbessern. Wenn man hier die Zahlen betrachtet, kann man nur staunen. Von 771 Anspielen hat der EKZ 459 gewonnen und nur 312 verloren. Das entspricht einer Bullyquote von rund 60%, ein herausragender Wert. Auf die einzelnen Spieler heruntergebrochen hat Nick Huard 91 Faceoffs gewonnen und 55 verloren, Robin Johansson hält bei 137 zu 80, Hubert Berger bei 97 zu 80. Hubert Berger, das Herz der einer sehr starken dritten Linie, verdient ohnehin besondere Erwähnung. Er spielt bislang eine ausgezeichnete Saison, im letzten Spiel gegen Celje ist ihm auch sein überfälliges erstes Saisontor gelungen (8 Torvorlagen). Kapitän Robin Johansson tritt durch wichtige Treffer in Erscheinung. Entscheidender Penalty gegen Celje, Gamewinning Goal gegen Unterland auswärts, in Overtime, Gamewinner gegen Salzburg. Den bislang einzigen Shorthander erzielte, aufgrund seiner Geschwindigkeit wenig überraschend, Matt McLeod (beim Auswärtssieg in Neumarkt). Auffällig schließlich noch die mannschaftliche Geschlossenheit, die sich auch in den Zahlen widerspiegelt. Bereits 15 verschiedene Torschützen, wenige absolute Ausreißer, jeder Spieler kann scoren. Das macht den EKZ ausgeglichen und schwer zu berechnen. Hoffnungsfroh stimmt auch, dass einige Cracks noch Luft nach oben haben und ihren Leistungszenit längt nicht erreicht haben.

Ligaweit spitze ist Zell am See einmal mehr bei den Zusehern. Durchschnittlich 1739 Fans besuchten die KE KELIT Arena, in den bisherigen Heimspielen, zweimal waren es über 2000. Für diesen noch frühen Zeitpunkt im Jahr eine sensationelle Zahl, Zell am See ist und bleibt Hockeytown.

Leider nicht verschont blieben die Eisbären wieder von Ausfällen, ein komplettes Lineup gab es in keinem Spiel, zumindest drei verletzte oder kranke Spieler musste der EKZ bei jedem Match vorgeben. Tobias Piuk konnte noch kein Spiel absolvieren (13 verpasste Partien), Christian Jennes spielte nur das Salzburger Derby (12 verpasse Partien), Fabio Artner fehlte in 8 Spielen: Zwischenzeitlich mussten auch Lorenz Lindner (4 Spiele), Max Zimmermann (3 Spiele) oder Daniel Ban (2 Spiele) gesundheitsbedingt passen. Insgesamt blieb 47-mal ein Kaderplatz aufgrund von Krankheit oder Verletzung frei. Dazu kam eine ärgerliche Sperre von Kapitän Robin Johansson. Durch guten Mannschaftszusammenhalt konnte man aber auch mit verkürztem Kader gut bestehen. Zudem gibt es vom Lazarett positive Nachrichten: Piuk, Jennes und Zimmermann sind nach der Pause wieder zurück. Lahoda ist noch fraglich, Artner fehlt noch bis Mitte Dezember.

Was auch auffällt: die jungen Spieler haben sich weiterentwickelt und übernehmen mehr Verantwortung. Der erst 19-jährige Felix Koschek spielt zumeist in der ersten Linie und darf sich bereits über drei Treffer freuen. Leon Widhalm besticht durch körperliche Präsenz und scheut keinen Zweikampf. Max Stiegler war mit einem Treffer und einer Vorlage einer der Derby Helden gegen Kitzbühel und zeigt regelmäßig sein Offensivpotential. In der Verteidigung sind Lorenz Lindner und Timo Pallierer ohnehin kaum wegzudenken und auch Josef Flick bekommt seine Eiszeit.

Alles in allem sind die Eisbären gut dabei, die Top 5 sind absolut in Reichweite, besser geht aber immer. „Wir sind definitiv noch nicht an unserer Leistungsgrenze angekommen, haben noch viel Luft nach oben und das ist auch gut so!“, betont Patrick Schwarz.

 

Headcoach Marcel Rodman: „Insgesamt bin ich zufrieden. Wir zeigten eine wirklich gute Vorbereitung, aber als die Saison losging, hatten wir etwas zu kämpfen. Wir mussten erst unsere Identität und unseren Spielstil finden, durch die Niederlagen am Anfang kamen wir schnell unter Druck. Aber dann haben wir unseren Rhythmus gefunden und gut gespielt. Natürlich, du willst jedes Spiel gewinnen und gewisse Niederlagen schmerzen, aber man kann aus jeder Partie lernen. Insgesamt haben wir die ersten Schritte in die richtige Richtung gemacht. Ich bin mit der Resonanz des Teams glücklich, die Jungs arbeiten jeden Tag hart. Aber: wir sind noch weit davon weg, wo wir am Ende sein wollen, es wartet also noch einiges an Arbeit.“

Kapitän Robin Johansson: „Alles in allem sind in unserem Spiel die Leistungsschwankungen noch etwas zu groß. Wir waren nicht glücklich, mit dem Saisonstart, aber in den letzten Wochen haben wir einiges richtig gemacht. Ich spüre, dass wir noch mehr leisten können und unser Spiel weiterentwickeln können, jetzt nach der Pause, mit neuer Energie.

Ich denke die Liga ist sehr ausgeglichen, es ist wichtig mit der richtigen Einstellung an die Spiele heranzugehen. Wir haben ein gutes Team mit einigen Stärken, vieles liegt an uns. Wir wollen weiter intensives Eishockey spielen, viel skaten und Charakter zeigen. Außerdem arbeiten wir daran, dass wir effizienter werden und unsere Chancen besser verwerten.“